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Inhaltsverzeichnis:

Das Niederwerfen

Das Knien
Die Kniebeuge
Die Körperverneigung
Die Kopfverneigung
Das Brustklopfen
Das Sitzen
Das Stehen
Die Hand
Das Kreuzzeichen




Das Niederwerfen
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Es ist das stärkste und demütigste Sinnbild der Überantwortung des Menschen an Gott, nämlich als Zeichen der Übergabe und des Schuldbewußtseins eines Christen, nicht aber als Zeichen der Trauer.

Das Knien
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Das Knien, ein altes Zeichen der Verehrung und Anbetung, ist besonders stark in der abendländischen Kirche ausgeprägt. Die orientalischen Kirchen kennen das Knien nicht, nur das Niederwerfen. Das Niederknien will sagen: Ich anerkenne dich als meinen Herrn und Gott, als den Schöpfer und Erhalter meines Lebens. Niederknien ist der Ausdruck tiefer Demut (der Hochmütige reckt sich hoch, der Demütige macht sich klein vor Gott). Alle unsere verschiedenen Körperhaltungen sollen ja die innere Gesinnung widerspiegeln. Allein das Niederknien ist schon ein leibhaftiges Gebet.

Man kniet mit beiden Knien (zuerst mit dem rechten, dann mit dem linken Bein). Der Oberkörper ist aufrecht, die Hände sind gefaltet, die Fersen geschlossen.


Die Kniebeuge
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Die Kniebeuge ist eine Begrüßungs- und Ehrfurchtsgeste vor dem Herrn in der Gestalt des Brotes im Tabernakel. Die Kniebeuge ist in der evangelischen Kirche kaum bekannt, weil sie das Abendmahl in ihren Kirchen nicht aufbewahren.

Die Kniebeuge:

Hände falten, rechtes Knie bis zur linken Ferse beugen, der Oberkörper bleibt aufrecht.

Der Sakristan und die Ministranten machen die Kniebeuge immer vor der untersten Stufe des Altars.

Trägt man etwas in den Händen braucht man keine Kniebeuge zu machen; angebracht ist eine andere Ehrenbezeigung, z. B. die Kopfverneigung.


Die Körperverneigung
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Die Körperverneigung ist ein liturgischer Gruß wie auch eine liturgische Gebetshaltung. Sie wird langsam und sorgfältig mit dem Oberkörper gemacht.

Die Kopfverneigung
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Die Kopfverneigung ist eine Ehrenbezeigung, bei der man lediglich den Kopf nach vorne senkt.

Das Brustklopfen
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Das Brustklopfen ist der Gestus der Anerkennung eigener Schuld und Sünde. Wir finden dieses Zeichen schon im Neuen Testament: der Zöllner schlug sich gegen die Brust und betete: "Herr, sei mir Sünder gnädig."

Das Sitzen
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Das Sitzen ist die Haltung der Ruhe, des aufnehmenden und betrachtenden Hörens. Ich nehme mir die Zeit, den Worten eines anderen zu lauschen, nichts soll mich ablenken. Gesammelt und konzentriert bin ich ganz Ohr für das, was ich höre. Ich lasse es auf mich wirken und denke darüber nach.

Das Sitzen:

Aufrecht, nicht angelehnt.

Die Beine nebeneinander.

Die Hände auf den Oberschenkeln ruhend.

Das Sitzen ist auch die Haltung des Lehrers und Richters seit früher Zeit. Den Sitzplatz des Bischofs nennt man Cathedra (Platz des Lehrers). Den Sitz des Priesters nennt man Priestersitz (Vorsitz). Früher predigte der Bischof sitzend. Daher kommt das Wort Predigtstuhl. Bei allen richterlichen Funktionen sitzt der Bischof oder der Priester (z. B. Beichtstuhl).


Das Stehen
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Unter allen Geschöpfen ist einzig der Mensch durch seine aufrechte Haltung ausgezeichnet. Das Stehen entspricht aber auch dem "königlichen Priestertum der Gläubigen" und der Freiheit der Kinder Gottes. Nicht das Knien ist die normale Gebetshaltung beim Gottesdienst, sondern das Stehen. Gott hat uns ja in Christus Jesus aus Schuld und Sünde wieder aufgerichtet, um seine Wiederkunft zu erwarten.

Das Stehen ist weiterhin eine Haltung des Respekts und der Ehrfurcht. Sie besagt: Ich nehme mich zusammen, bin ganz beherrscht, wachen Geistes und aufmerksam. Ich bin zum Dienst oder Auftrag bereit; ich kann sofort aufbrechen (dabei denken wir an die Israeliten beim Aufbruch aus Ägypten, die stehenden Fußes das Paschamahl aßen).


Die Hand
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Mit der Hand arbeitet und wehrt sich der Mensch nicht nur. Es gibt auch eine "Sprache" der Hände, die in Gesten und Gebärden Geistiges ausdrücken können. In der Liturgie sind sie besonders starke Zeichen.

Händefalten:

Wer die Hände zusammenlegt, sagt damit: die Arbeit ruht jetzt. Ich will mich sammeln, der Alltag soll schweigen. Ich will zu mir selbst kommen. In der katholischen Liturgie legt man die Handflächen aneinander. Der rechte Daumen liegt über dem linken gekreuzt. Die gefalteten Hände hält man aufwärtsgerichtet vor der Brust. Diese Form des Händefaltens stammt aus dem germanischen Lehensbrauchtum des Mittelalters. Sie waren Zeichen der Hingabe und Bindung an den Lehnsherrn. In der Liturgie will diese Geste sagen: Ich binde mich an den Herrn.
Gebräuchlich ist auch eine Gebetshaltung, bei der die Finger beider Hände ineinander verschränkt werden. Auch diese Form ist sehr ausdrucksstark, und unsere Glaubensbrüder in den evangelischen Kirchen beten meist in dieser Gebetshaltung. Sie ist im katholischen Gottesdienst nicht vorgesehen.


Die ausgebreiteten Hände (Orante):

Die ersten Christen dagegen beten mit ausgebreiteten Armen und erhobenen Händen. Dabei bildeten die Handinnenflächen Schalen, als Zeichen des Annehmens und Hingebens. Alle Amtsgebete betet der Priester in dieser Haltung (Orante = Betende). Bilder solcher "Betenden" finden wir in den Katakomben Roms.


Das Kreuzzeichen
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Das Kreuzzeichen macht man über sich selbst, über andere oder über Gegenstände. Dieses Sengenszeichen erinnert uns an Jesu Tod und Auferstehung und an unsere Erlösung. So besiegelte man schon (als Prägezeichen) in der frühen Kirche ab dem 2. Jahrhundert, die Stirn des Katechumen mit einem Kreuz. Das sollte heißen: Nun gehörst du zu Christus, nun bist du Gottes Kind.

In der Liturgie beginnen und beenden wir den Gottesdienst mit dem Kreuzzeichen. Wir nehmen Weihwasser und segnen uns beim Eintritt in ein Gotteshaus und beim Weggang in der Form des lateinischen Kreuzes. Dabei bekennen wir unseren Glauben und stellen uns unter den Schutz des dreifaltigen Gottes. Jedes Kreuzzeichen ist eine Tauferinnerung.
In der römisch-katholischen Kirche machen wir das Kreuzzeichen von oben nach unten und von links nach rechts; die Ostkirche dagegen von rechts nach links.

Es gibt noch eine andere Form des Kreuzzeichens: das kleine Kreuzzeichen.

Dabei bekreuzigen wir mit dem Daumen der rechten Hand die Stirn (d.h.: mit dem Verstand will ich Gottes Wort erfassen), den Mund (mit dem Munde bekennen), die Brust (in meinem Herzen bewahren, wie Maria, und mein Leben danach ausrichten).



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Quelle: "Der Sakristan" (Das Handbuch für die Praxis), von Anton Hellmann;
Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1983, isbn: 3-451-19849-5; S. 207 bis 213.